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23.11.2017

PM 055: Mölln ist Verpflichtung für uns alle

Im Jahr 1992, dem Jahr der Pogrome in Rostock-Lichtenhagen, erlangten die rechten Gewaltexzesse eine neue grausame Qualität. Am 23. November schlugen Rechtsextreme in Mölln, Schleswig-Holstein zu. Sie begingen Brandanschläge auf zwei Wohnhäuser, welche von türkischstämmigen Menschen bewohnt wurden. Drei Todesopfer waren zu beklagen, neun Menschen wurden verletzt.

Dies war trauriger Höhepunkt einer ganzen Reihe rassistischer Gewalttaten in ganz Deutschland, welche Anfang der 90er Jahre extrem zunahmen. Wir erinnern uns in diesem Zusammenhang auch an die Angriffe auf eine Geflüchtetenunterkunft in Hoyerswerda 1991. Mit Mölln erreichten die rechtsextremen Anschläge nun auch Westdeutschland.

Die Täter von Mölln wurden gefasst und ein Jahr später verurteilt.

„Was aber leider in Deutschland immer grassiert, und in den letzten Jahren wieder zunehmend, sind Rassismus und rechtsextremes Gedankengut. Mit der AfD sitzt seit September sogar der parlamentarische Arm dieses Gedankengutes im Bundestag“,

so Irena Rudolph-Kokot, stellvertretende Bundesvorsitzende der AG Migration und Vielfalt in der SPD.

Özlem Ünsal, Vorsitzende der Landesarbeitsgemeinschaft Migration und Vielfalt in der SPD Schleswig-Holstein und Kieler Landtagsabgeordnete, ergänzt:

„Wenn ich sage, dass Mölln leider die Gegenwart ist, meine ich die Symbolkraft, die diese menschenverachtende Tat inne hat. Der Brand ist nicht gelöscht, und er glimmt nicht nur, er lodert wieder auf.“

Die vergangen zwei Jahre muteten wie eine Wiederholung der Geschichte an. Die Zunahme von bei uns Zuflucht suchenden Menschen war begleitet durch den Anstieg rechter Gewalttaten und leider einer rassistischen Bewegung in neuer Dimension. Und leider war auch die politische Reaktion wie Anfang der 90er Jahre – das Asylrecht wurde weiter verschärft. Dazu erklärt Rudolph-Kokot:

„Sich von den Hassern und Hetzern treiben zu lassen, ist die falsche Antwort. Die richtige ist immer – Haltung zeigen und die Menschenrechte verteidigen. Das allzu oft erlebte Dulden und Marginalisieren aller Formen von Menschenverachtung darf niemals zur Norm werden. Dazu reichen Lippenbekenntnisse aber nicht aus. Das gilt nicht nur für Politiker*innen in Amt und Würden, dieser Gedanke sollte allen politisch interessierten Menschen gegenwärtig sein. Wir gedenken der Opfer und dieses Gedenken verpflichtet uns zugleich, tagtäglich für eine vielfältige solidarische Gesellschaft zu wirken,“

so Rudolph-Kokot abschließend.